,,Als Standort aggressiver in den Wettbewerb”

Filmexperten schlagen beim FDP-Medientalk Alarm

04.09.2019 Hamburg. – Der Filmproduktionsstandort Hamburg muss sich zügig weiterentwickeln, will er im nationalen und internationalen Wettbewerb nicht abgehängt werden. Das ist das Fazit des Medientalks im Hamburger Rathaus, zu dem Christel Nicolaysen, medienpolitische Sprecherin der FDP-Rathausfraktion, am Dienstag namhafte Experten eingeladen hatte.

Helge Albers, Leiter der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, erläuterte, dass es in Hamburg keine Fördermittel für Serienproduktionen gibt, obwohl dieser Produktionsbereich in den vergangenen drei bis fünf Jahren stark gewachsen sei. Dabei seien auch die Produktionskosten gestiegen. Deshalb sei es bisher nicht gelungen, große Serienproduktionen nach Hamburg zu holen, zumal die Länderförderung häufig eine Voraussetzung für Bundesmittel sei und die Firmen andernorts mit Fördermitteln in Höhe von 20 bis 25Prozent arbeiten könnten. Johannes Züll, Geschäftsführer von Studio Hamburg, verwies auf die erfolgreiche Serienproduktion in Berlin und Babelsberg und forderte, Hamburg müsse „als Standort aggressiver in den Wettbewerb gehen“. Zwar sei das Studio Hamburg als drittgrößtes deutsches Studio gut ausgelastet, so Züll, doch die Hansestadt sei nach dem Krieg einmal der größte Filmproduktionsstandort in Deutschland gewesen.

Regisseur Lars Jessen sagte, dass mittlerweile nicht mehr nur Bayern, Nordrhein-Westfalen und Berlin wichtigere Förderländer seien, sondern sogar Baden-Württemberg Hamburg überholt habe. Drastisch schilderte er die Folgen: Durch die Abwanderung an andere Drehorte gebe es in Hamburg mittlerweile einen „krassen Fachkräftemangel“. Albers bestätigte die Diagnose und erklärte, Hamburg sei auch im Wettbewerb um öffentlich-rechtliche Serienproduktionen „extrem schwach positioniert“. Die Gespräche mit der Wirtschaftsbehörde und Kulturbehörde liefen, hätten aber noch keine Ergebnisse erbracht. Als Besucher des Medientalks verwies Motivaufnahmeleiter Daniel Matthaei darauf, dass große Chancen für den Filmstandort leichtfertig verspielt würden. So werde das stillgelegte Übersee-Zentrum, in dem zuletzt internationale Filme gedreht wurden wie „Drei Engel für Charlie“, zugunsten der Hafencity-Erweiterung südlich der Elbe abgerissen, ohne dass es adäquaten Ersatz gäbe.

Von Stefan Grund

Bild: Philipp A. Wünschel